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Schlag gegen „Steueroasen“ und mehr Transparenz für multinationale Konzerne

30/06/2021
| Claudia Rodríguez
Schlag gegen „Steueroasen“ und mehr Transparenz für multinationale Konzerne

Die Bemühungen, die Auswirkungen von COVID-19 abzumildern, haben einen enormen Bedarf an Geldmitteln ausgelöst, was zusammen mit dem Druck der US-Regierung, eine globale Mindeststeuer einzuführen, um zur Finanzierung ihrer Infrastrukturverbesserungen beizutragen, zu einer Einigung auf dem jüngsten G7-Gipfel führte. Es scheint, dass es endlich einen klaren Willen zur Schaffung eines neuen internationalen Steuerrahmens für große multinationale Unternehmen gibt.

Die Weichen für eine Reform, deren Umsetzung eine große Herausforderung sein wird, sind bereits gestellt. Die umstrittenste Maßnahme ist die Mindestbesteuerung pro Land von 15% für multinationale Unternehmen. Diese Regelung wäre ein Schlag gegen Steueroasen, die seit Jahren große Steuerzahler anziehen, die von den widersprüchlichen Vorschriften der Staaten profitieren.

Ebenso wird vorgeschlagen, Steuern auf mindestens 20% des Gewinns, der die Gewinnspanne von 10% übersteigt, in Ländern einzuführen, in denen Unternehmen Geschäfte tätigen. Diese zweite Maßnahme wird wahrscheinlich weitere Reformen erforderlich machen und zu enormen Unklarheiten führen, da die Buchhaltungssysteme weltweit nicht zu 100% harmonisiert sind.

Dies sind nicht die einzigen Maßnahmen im Bereich der internationalen Besteuerung. Nach dem jüngsten Treffen der Mitglieder des Europäischen Rates wurde vereinbart, ein Gesetzgebungsverfahren zur Einführung einer Richtlinie einzuleiten, die eine Pflicht zur länderbezogenen öffentlichen Berichterstattung bzw. Country by Country report vorsieht.

Die Richtlinie würde in erster Linie darauf abzielen, die Steuertransparenz großer multinationaler Unternehmen zu erhöhen, um so ihren Appetit auf 'profit shifting' zu verringern und aggressive Steuerplanungspraktiken und Steuerhinterziehung durch verstärkte öffentliche Kontrollen zu unterbinden. Alle Stakeholder hätten ein Instrument, um das Steuerverhalten von Unternehmen zu analysieren und zu bewerten.

Eine solche Regelung würde auch bedeuten, dass sensible Geschäftsdaten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, was gewisse Risiken mit sich bringen könnte. Konkurrenten könnten auf diese Informationen zugreifen und sie für ihre eigenen Zwecke nutzen. Dies ist insbesondere für nicht in der EU ansässige Konkurrenten relevant, da diese nicht zur Veröffentlichung solcher Informationen verpflichtet wären, wodurch ihnen ein unlauterer Vorteil verschafft und die Konkurrenzfähigkeit der meldepflichtigen Unternehmen geschwächt würde.

Sollten Unternehmen beschließen, diese Informationen zu veröffentlichen, könnte dies einen Unterscheidungseffekt gegenüber Unternehmen haben, die diese Informationen nicht teilen. Es könnte sogar zu einem Instrument der sozialen Verantwortung von Unternehmen werden, das denjenigen zugutekommt, die es in die Praxis umsetzen, und ihren institutionellen Ruf verbessert. Auf diese Weise könnte das positive Image, das durch Steuertransparenz entsteht, die möglichen Kosten einer höheren Besteuerung aufwiegen.

Es ist noch zu früh, um abzusehen, wie diese neuen Maßnahmen, die zweifellos große Herausforderungen mit sich bringen und den Grundstein für einen neuen internationalen Steuerrahmen legen werden, umgesetzt und weiterentwickelt werden.

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